1973
Gründung der Selbsthilfe Körperbehinderter Hanau/Gelnhausen e.V.
am 11.04.1973
Im Februar 1973 erschien in einer örtlichen Zeitung die Meldung:
,,Heinz Preis will Behinderten-Ortsgruppe gründen - Rollstuhl soll gesellschaftsfähig werden.“
Hinter dem hier angekündigten Vorhaben steckte ein ganzes Stück persönlicher Erfahrung und auch Erleiden von Heinz Preis. Von Kindheit an selbst behindert, ging und geht es ihm darum, die menschlichen und sozialen Probleme der Körperbehinderten aufzugreifen, abzubauen und den Behinderten außerdem in einem Verein besondere Möglichkeiten für Kontakte und Geselligkeit zu bieten.
Eine Idee wird Wirklichkeit
Am 11.April 1973 trafen sich im Aufenthaltsraum der Georg-Büchner-Schule in Erlensee neben Heinz Preis 6 weitere Personen zur Gründung der Selbsthilfe Körperbehinderter Hanau/Gelnhausen als Untergliederung des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. Krautheim/Jagst.
Folgende Personen waren die Gründungsmitglieder:
Edith Anderle, Helmut Dambruch, Jürgen Grasmück, Ruth Knoll, Georg Mai, Heinz Preis und Ulla Weißflog.
An diesem Abend ging es zunächst um das gegenseitige Kennenlernen und die Wahl eines Vorstandes, dessen erster Vorsitzender Heinz Preis wurde.
Im weiteren Verlauf wurde die Frage diskutiert: ,,Wo stehen die Körperbehinderten in unserer Gesellschaft?“
An diesem Abend wurde als richtungsweisendes Ziel der Selbsthilfe formuliert:
,,Wir wollen der Gesellschaft zeigen, dass wir sehr wohl in der Lage sind uns in gewissen Dingen selbst zu helfen, deshalb nennen wir uns auch ,Selbsthilfe Körperbehinderter’.“
Erste Aktivitäten
Film-, Dia- und Diskussionsabende mit verantwortlichen Politikern waren neben Tischtennis, Kegeln, Basteln usw. die ersten Aktivitäten der Gruppe. Dazu gehörten auch ein Ausflug und gesellige Zusammenkünfte. Als eine weitere wichtige Aufgabe sahen die ersten Mitglieder in der Mitgliederwerbung.
In der Turnhalle der Georg-Büchner-Schule begannen die ersten sportlichen Aktivitäten, die dann später in die Turnhalle der Brüder-Grimm-Schule in Hanau verlegt wurden. Das Unterhaltungsprogramm musste sich in der ersten Zeit auf Dia-Vorträge beschränken, weil die Kassen noch leer waren.
Am 14. Dezember 1973 feierten wir in der Jahnhalle in Hanau unsere erste Weihnachtsfeier. Trotz vereister Straßen waren 30 Mitglieder gekommen. In seiner Ansprache formulierte der Vorsitzende ein weiteres Ziel des Vereins:
,,Wir wollen nicht bedauert werden. Mitleid brauchen wir nicht. Und auf keinen Fall wollen wir unter uns bleiben, wir suchen Kontakt mit anderen, mit den sogenannten Gesunden“. Ziel unseres Vereins ist die Integration und Unterstützung behinderter Menschen für ein selbstbestimmtes Leben.
Sozialsekretär Erwin Czemper vom Sozialpfarramt der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, wies auf die Wichtigkeit der Öffentlichkeitsarbeit der Selbsthilfegruppe hin und mahnte an, dass beispielsweise Schulen, Rathäuser, Schwimmbäder und Bürgerhäuser behindertengerecht auszubauen seien.
Damit ging nun das Gründungsjahr der Selbsthilfe Körperbehinderter Hanau/Gelnhausen zu Ende.
Bereits im Dezember des Gründungsjahres waren schon 50 Körperbehinderte aus Hanau und Umgebung Mitglied geworden, darunter 20 Rollstuhlfahrer.
1974
Wichtige Kontakte werden geknüpft
Am 11.Mai 1974 feierte die Selbsthilfegruppe im Löwen in Erlensee eine Grillparty mit der Band ,,Amarrillos“. Für das Wochenende vom 17.-19. Mai 1974 hatte das Sozialpfarramt der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck die Mitglieder der Selbsthilfegruppe zu einer Tagung in das Jugendzentrum Ronneburg, eine Einrichtung des damaligen Landkreises Hanau, eingeladen. In Referaten wurden die Probleme der Behinderten in unserer Gesellschaft dargestellt und versucht, von verschiedenen Seiten Lösungen aufzuzeigen. Diese Tagung war der Auftakt für eine langjährige, bis in die Gegenwart hineinreichende Zusammenarbeit mit dem Sozialpfarramt der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.
Langsam wurde die Selbsthilfegruppe in Erlensee und Umgebung bekannt und anerkannt. Kontakte zu Vereinen wurden geknüpft, oder Vereine knüpften Kontakte zur Selbsthilfe. So hatte beispielsweise schon im August des Jahres 1974 die Bereitschaft Erlensee der DRK-Bergwacht Hessen die Mitglieder der Selbsthilfe Hanau/Gelnhausen in Erlensee in die Hohe Rhön eingeladen. An einer Felsenwand zeigte die Bergwacht ihre Rettungs- und Einsatzmöglichkeiten. Im September war ein weiteres Angebot zu den bisherigen Aktivitäten der Gruppe hinzugekommen: Seit Anfang September trafen sich die Mitglieder l4tägig in der Großsporthalle der Georg-Büchner-Schule in Erlensee, um sich dort sportlich zu betätigen.
1976
Eine Infrastruktur entsteht
Mittlerweile hatte die Selbsthilfegruppe in der Turmstraße 18 in Erlensee, in der ehemaligen Gaststätte ,,Zur Sonne“ einen Treffpunkt erhalten. Nun konnte man sich dort donnerstags ab 19.30 Uhr treffen. Im Jahre 1977 wurde diese Begegnungsstätte der AWO Langendiebach rollstuhlgerecht ausgebaut, wofür die Selbsthilfe einen verlorenen Baukostenzuschuß von DM 1.000 einbrachte.
Auf Anregung der Selbsthilfe war in dem 1976 neu erbauten Hallenbad Erlensee auch an die besonderen Bedürfnissen der Behinderten gedacht worden. Durch die nun idealen Voraussetzungen und die Hilfe der DLRG-Ortsgruppe Erlensee konnten sich nun auch dort Behinderte sportlich betätigen.
Am 27 April 1976 fand in der Jahreshauptversammlung erstmals die Neuwahl des Vorstandes statt. Heinz Preis blieb 1. Vorsitzender und Rudi Schulz wurde 2. Vorsitzender und Kassierer. Für die Beförderung ihrer behinderten Mitglieder benötigte die Selbsthilfegruppe entsprechend ausgerüstete Fahrzeuge. Im Juni 1977 konnte der erste Kleinbus über die ,,Aktion Sorgenkind“ angeschafft werden. Der 20%ige Eigenanteil der Selbsthilfe wurde durch Erlöse von eigenen Veranstaltungen wie ein Kappenabend im Februar im Bürgerhaus Wachenbuchen und vor allem durch das ,,Vier-Tage-Fest“ in Erlensee aufgebracht. Dieses ,,Vier-Tage-Fest“ war das erste große Fest der Selbsthilfe, mit dem sie in die breite Öffentlichkeit trat. Es fand im September 1977 in einem Festzelt auf dem neuen Festgelände der Gemeinde Erlensee an der Konrad-Adenauer-Straße statt. Tatkräftige Unterstützung kam wiederum von zahlreichen Ortsvereinen.
1978
Ab dem 1. April 1978 anerkannte Zivildienststelle
Fast ein Jahr wurde das erste Fahrzeug der Selbsthilfe von ehrenamtlichen Helfern gefahren. Seit dem 1. April 1978 war dann die Selbsthilfe Hanau/Gelnhausen eine anerkannte Beschäftigungsstelle für Zivildienstleistende, und der erste Zivildienstleistende trat am 1. Juni 1978 seinen 16monatigen Dienst an. In diesem Jahr wurde auch der Deutsche Bundestag erstmals von der Selbsthilfe besucht.
Wachsender Einfluss
Die Arbeit der Selbsthilfe zeigte nun auch Wirkungen nach außen. Im Jahr 1978 konstituierte sich ein ,,Kreisbeirat für behindertengerechtes Bauen“ im Main-Kinzig-Kreis. Dieser Beirat wurde vom Kreisausschuss auf Grund einer Anregung der Selbsthilfe bei einem Seminar im Jugendzentrum Ronneburg gebildet. Außerdem übernahm die Selbsthilfe die Federführung für die Behinderten-Organisationen im Main-Kinzig-Kreis. Schon im nächsten Jahr trug die Arbeit des ,,Kreisbeirates für behindertengerechtes Bauen“ die ersten Früchte. Beim Oberstufenbau der Gesamtschule Freigericht wurden durch das Kreisbauamt die Vorstellungen der Selbsthilfe verwirklicht, das Gebäude wurde ,,rollstuhlgerecht“ projektiert und gebaut.
Es folgte im September ein Seminar unter dem Thema ,,Der Behinderte in der Arbeitswelt“ im Jugendzentrum Ronneburg. Damit begannen die vielfältigen Aktivitäten des Sozialpfarramtes unter dem neuen Sozialsekretär Wilhelm Wenzel mit der Selbsthilfe.
Nach Fertigstellung des Evangelischen Gemeindebildungszentrums in Bad Orb im Herbst 1981, fanden auch dort gemeinsame Veranstaltungen statt. Diese Aktivitäten wurden auch von Wilhelm Wenzel nach seinem Eintritt in den Ruhestand bis in die Gegenwart weitergeführt.
1979
Breites Angebot
Die Arbeit der Selbsthilfe machte auch in diesem Jahr weitere Fortschritte. So erhielt der Verein einen 2. Kleinbus und auch einen 2. Zivildienstleistenden.
Ein Auszug aus unserem Wochenprogramm :
Montags Schwimmen im Erlenseer Hallenbad
Donnerstags - Spiele und gemütliches Zusammensein im Treff in der Turmstraße
Freitags - Gymnastik in der Turnhalle der Brüder-Grimm-Schule in Hanau.
Ein besonderes Ereignis war die Einladung des ,,Flugtechnischen Vereins e.V. Frankfurt“ nach Gedern. Rund 30 Mitglieder waren am 15. September 1979 der Einladung gefolgt und hatten Gelegenheit, in Motorsegler und Segelflugzeugen mitzufliegen. Diese Einladungen nach Gedern gehörten dann lange Jahre praktisch zum Jahresprogramm der Selbsthilfe.
Eine erste Rollstuhlsportwoche wurde im Jugendzentrum Ronneburg vom Main-Kinzig-Kreis durchgeführt. Außerdem wurden in diesem Jahr noch Ausflüge nach Heidelberg, in die Rhön und in den Spessart unternommen.
1980 konnte ein Mercedes-Bus mit Hebebühne in Dienst gestellt werden. Auch erhöhte sich die Zahl der Zivildienstleistenden bei der Selbsthilfe auf nunmehr 4.
In Hanau änderte die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft auf Initiative der Selbsthilfe hin ihre Planungen für 6 Wohnungen und baute diese rollstuhlgerecht.
Auf dem Gelände des Geflügelzuchtvereins Rückingen in Erlensee feierte die Selbsthilfe in diesem Jahr noch ein Sommerfest.
Das Jahr 1981 begann mit dem Besuch einer Abordnung der Selbsthilfegruppe auf der Eröffnungsveranstaltung zum Jahr der Behinderten in Dortmund.
In diesem Jahr wurde die kleine Sportabteilung der Selbsthilfe zum Rollstuhl-Sportclub. Sein Domizil wurde das Jugendzentrum Ronneburg.
Ein Sommerfest, das in Zusammenarbeit der Arbeiterwohlfahrt Rückingen auf dem Gelände des Geflügelzuchtvereins unter dem Leitgedanken ,,Einander verstehen, miteinander leben“ veranstaltet wurde, gehörte in diesem Jahr ebenso zum Programm wie eine Urlaubsfreizeit in Pappelau bei Ulm.
Im September 1981 lud die Erlenseer Bergwacht zu einem betreuten Wandertag insbesondere auch Rollstuhlfahrer der Selbsthilfe ein. Der Weg führte zur Klosterruine Hanau Wolfgang.
Im Oktober 1981 fand schließlich noch eine Informationsfahrt nach Bonn statt, wobei auch ein Besuch bei der damaligen Bundesministerin Vera Rüdiger auf dem Programm stand.
1982
Stetiges Wachstum
Um eine 100% Assistenz von etwa vier Schwerstbehinderten sicherzustellen, wurden die Zivildienststellen für die ,,individuelle Schwerstbehindertenbetreuung (ISB)“ um 2 weitere erhöht, so dass die Gesamtzahl der Zivildienstleistenden seit Frühjahr dieses Jahres 6 betrug, davon waren 3 in der individuellen Betreuung von Schwerstkörperbehinderten eingesetzt.
Um die Verbesserung der Mobilität der Zivildienstleistenden im ambulanten Dienst wurden noch zwei Gebrauchtfahrzeuge angeschafft.
Die Versanstaltungen des Jahres 1982 waren eine Sportwoche für Rollstuhlfahrer und eine Fahrt zum Holiday-Park in Haßloch. Neu war eine zehntägige Freizeit am Zeller See in Österreich mit Ausflugsfahrten nach Kaprun, zum Großglockner und nach Salzburg. Weiter stand noch eine Fahrt zum Keukenhof in Holland zur Blumenschau auf dem Programm. Auch an einem Preisangeln des Angelsportvereins Erlensee-Rodenbach waren die Behinderten auf Einladung der Angler beteiligt.
Zur Bewältigung der immer größeren Verwaltungs- und Organisationsaufgaben konnte in der Turmstraße in Erlensee neben dem bereits vorhandenen Vereinsraum ein Büroraum geschaffen werden, wodurch Vorstandssitzungen und Beratungsgespräche wesentlich erleichtert wurden.
1983
Erstes Jubiläum
Ein weiterer Höhepunkt in der jungen Geschichte der Selbsthilfe Körperbehinderter Hanau/Gelnhausen war das große Fest zum 10jährigen Bestehen vom 5.-8. August 1983 auf dem Festgelände der Gemeinde Erlensee unter der Moderation von Herbert Kranz vom Hessischen Rundfunk. Unter den Ehrengästen waren die Vertreter der politischen Parteien sowie Franz Schmeck vom DRK-Kreisverband, Bürgermeister Erich Wörner, Friedhelm Fleer vom Bundesamt für den Zivildienst und der Bundesvorsitzende der Selbsthilfe, Josef Kirfel aus Krautheim. Der Vorsitzende der Selbsthilfe Hanau/Gelnhausen, Heinz Preis, gab einen Rückblick auf die ersten zehn Jahre der Selbsthilfe. Dabei bedankte er sich auch bei den Behörden und Bürgern, die immer wieder dem Verein geholfen und ihn unterstützt haben. Nachdem Rudi Schulz die Vereinschronik verlesen hatte, folgten zahlreiche Ehrungen. U.a. erhielt Heinz Preis dabei das goldene Vereinsabzeichen für seine Vorstandsarbeit sowie die goldene Nadel des Bundesverbandes, dessen stellv. Vorsitzender er damals auch war.
Im Rahmen der Feierlichkeiten konnte auch ein neuer Kleinbus zur Beförderung von Rollstuhlfahrern der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Im Oktober 1983 rief der Bundesverband Selbsthilfe Köroperbehinderter zu einer Demonstration in Bonn auf, an der auch wir teilnahmen. Es wurden Existenzbedrohende Leistungskürzungen durch die politisch Verantwortlichen befürchtet.
Am 3. März 1984 kam der Hanauer Anzeiger noch einmal auf das Jubiläumsfest des Vorjahres zurück und brachte eine Meldung über die Ehrung der Sieger des Ballonwettbewerbes vom Festsonntag. Siegerin wurde die damals dreijährige Sabrina Lange aus Erlensee, deren Ballon 80 km nördlich von Paris niederging.
Am 26.01.84 hat die Selbsthilfe in Biebergemünd eine Kontaktstelle gegründet. Dort treffen sich nun regelmäßig Behinderte im kath. Pfarrgemeindehaus zum Zusammensein und Gedankenaustausch. Im Jahre 1992 wurde aus dieser Kontaktstelle der Bereich Nordspessart e.V., zu dem heute noch freundschaftliche Kontakte bestehen.
Mit Datum vom 27.03.84 richtete der Vorsitzende Heinz Preis eine Anfrage an den Kreisausschuß des Main-Kinzig-Kreises in Hanau mit der Bitte, um Überlassung des Grundstücks an der Konrad-Adenauer-Straße hinter der Georg-Büchner-Schule im Erbbau. Dies geht zurück auf Überlegungen, die der Vorstand seit August 1983 hatte.
1984
Die Gruppe wird eingetragener Verein
Ein wichtiges Datum in der Geschichte der Selbsthilfe Körperbehinderter Hanau/Gelnhausen war die Eintragung beim Amtsgericht Hanau als eingetragener Verein (e.V.) am 9. Juli 1984. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Selbsthilfe 90 Mitglieder und einen Förderkreis von 100 Mitgliedern.
Wie nun die Selbsthilfe Körperbehinderter im örtlichen Vereinsleben mehr und mehr integriert wurde, zeigt eine Zeitungsmeldung vom Juli 1984, wonach beim Ortsverein-Pokalangeln des ASV Erlensee die Selbsthilfe die besten Angler von den 21 teilnehmenden Mannschaften stellte. Zu dem Programm dieses Jahres gehörten u.a. wieder die Teilnahme an einem Flugtag in Gedern, ein Wochenende in Sosberg und im September eine Sportwoche im Jugendzentrum Ronneburg.
Ab 1. März 1985 ist die Selbsthilfe auch im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband Mitglied.
1985
Heinz Preis wird Bundesvorsitzender
Im Juli wurde in einer Feierstunde der langjährige Vorsitzende Heinz Preis verabschiedet, der im April dieses Jahres zum neuen Vorsitzenden des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter e. V. in Krautheim Jagst gewählt worden war.
Auf der Jahreshauptversammlung am 6. Mai 1986 wurde Kurt Junior, bislang stellvertretender Vorsitzender zum neuen 1. Vorsitzenden für den nach Krautheim verzogenen Heinz Preis gewählt. Zu seinen gleichberechtigten Stellvertretern wurden Heinz Jericho und Wilfried Breunig gewählt.
1986
Planung eines ,,Service-Hauses“
Am 2. August 1986 berichtete die Frankfurter Rundschau von den Planungen für einen Gebäudebau der Selbsthilfe mit Garagen für den Fuhrpark, Wohnungen und einen Saal in Erlensee. Hierfür stellte der Main-Kinzig-Kreis in der Nähe der Georg-Büchner-Gesamtschule das notwendige Gelände in Erbbaupacht zur Verfügung.
Dem Verein gehören mittlerweile 116 Körperbehinderte und 100 Fördermitglieder an. Bei einer Ortsbesichtigung des Baugeländes im September wurde der vorläufige Raum- und Bedarfsplan besprochen. Es soll, wie es damals hieß, ein ,,Service-Haus“ mit mehreren Wohnungen für Körperbehinderte und Nichtbehinderte gebaut werden. Zivildienstleistende, im Haus stationiert, sollten die notwendigen Hilfestellungen für die Bewohner sicherstellen. Außerdem sind noch Mehrzweckräume, ein kleiner Saal, eine Wasch- und Wartungshalle sowie mehrere Garagen für die Fahrzeuge vorgesehen.
Für Heinz Preis war der 12. Oktober 1986 ein ganz besonderer Tag. An diesem Sonntag wurde ihm in der Sport- und Kulturhalle in Erlensee von dem damaligen Landrat Hans Rüger das ihm vom Bundespräsidenten verliehene Bundesverdienstkreuz überreicht. Damit wurde seine langjährige engagierte und erfolgreiche Arbeit für die Behinderten gewürdigt.
Der neue Vorsitzende der Selbsthilfe Kurt Junior wurde im November als Nachfolger von Heinz Preis zum stellvertretenden Vorsitzenden der ,,Landesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte Hessen“ gewählt.
Wieder ein neuer Fortschritt für die Arbeit der Selbsthilfe war die Genehmigung einer ABM-Stelle im Januar 1987. Somit konnte die erste hauptamtliche Mitarbeiterin ihre Arbeit aufnehmen.
Ab Februar trafen sich nun die Mitglieder der Selbsthilfe donnerstags im Gasthaus ,,Zum Löwen“ in Erlensee-Rückingen. Die Anzahl der Mitglieder der Selbsthilfe vergrößerte sich immer mehr. Der Verein zählte zu dieser Zeit 120 Mitglieder und 110 Fördermitglieder und verfügte über einen Fuhrpark von zehn Fahrzeugen für die Beförderung der Behinderten. 24 Zivildienstleistende sind nun rund um die Uhr im Einsatz. Ab 15. April 1987 befand sich die Geschäftsstelle der Selbsthilfe in Maintal-Hochstadt. Außerdem wurde im Sommer des gleichen Jahres Kurt Junior auch als Behindertenbeauftragter der Stadt Maintal bestellt.
1989
Vom ,,Service-Haus“ zum ,,Integrativen Wohnpark“
Am 10.Okt.1989 meldete die Frankfurter Rundschau, dass das geplante Wohnprojekt der Selbsthilfe zu scheitern droht, weil das hessische Sozialministerium die geplanten 14 behindertengerechten Wohnungen nicht als förderungswürdig eingestuft hat. Um das Projekt nicht scheitern zu lassen, wurde aus dem Konzept des Service-Hauses der Plan für den Integrativen Wohnpark geboren. Der Verein hoffte auf Geldgeber für diesen Wohnpark, deshalb wurde der Förderkreis ,,Haus Erlensee“ gegründet, in dem jeder für einen Jahresbetrag ab 100 DM Mitglied werden kann. Da der 2. Bauabschnitt noch ansteht, soll dieser Förderkreis auch weiterhin bestehen bleiben.
Für seine Verdienste um die Körperbehinderten wurde im März 1989 Kurt Junior vom Bundespräsidenten mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik ausgezeichnet, die ihm von Bürgermeister Dr. Unger im Maintaler Rathaus überreicht wurde.
In der Jahreshauptversammlung im Mai 1991 legte Kurt Junior eine Resolution zur Abstimmung vor, die die Öffnung des Bundesverbandes auch für Nichtbehinderte fordert. Die SHK war in dieser Beziehung schon immer Vorreiter gewesen.
Ab 1. November 1992 bezog die Selbsthilfe im Maintal-Bischofsheim ein neues Büro. Im September stand die Pflegeversicherung mit dem Thema: ,,Wie wird die Pflegeversicherung realisiert?“ auf der Tagesordnung einer Informationsfahrt nach Bonn ins Arbeitsministerium.
1993
Der Integrative Wohnpark wird Realität
Am 14. Mai 1993 waren die Planungen und die Finanzierung des Hausbaues soweit abgeschlossen, dass der erste Spatenstich für den Integrativen Wohnpark durch Landrat Eyerkaufer vollzogen werden konnte. Ein Jahr später, am 8. April 1994, wurde das Richtfest gefeiert. ,,Aus unseren Träumen wird endlich Realität“, so fasste der Vorsitzende der Selbsthilfe, Kurt Junior, seine Gefühle dabei zusammen.
Im Dezember des Jahres 1994 begann der Einzug der ersten Mieter in das Gebäude. Die offizielle Einweihung des ersten Bauabschnittes des Integrativen Wohnparks fand dann am 1.Juli 1995 auf dem Gelände der Selbsthilfe unter größerer Beteiligung der Einwohner statt. Nach der Begrüßung durch den ersten Vorsitzenden Kurt Junior gab Architekt Riedel Zahlen und Fakten über den 1. Bauabschnitt bekannt. In einer Festansprache erläuterte Heinz Preis ausführlich die Ziele und Aufgaben des Vereins.
Seit der Einweihung befinden sich die Büroräume und der Fuhrpark der Selbsthilfe auf dem Gelände des Integrativen Wohnparks. Am 16. Dezember fand dann dort die erste Weihnachtsfeier im Wintergarten statt.
Am Sonntag, dem 5. Mai 1996, beim europaweiten Protesttag, machten Behinderte auf die notwendige Gleichstellung der behinderten Menschen aufmerksam. Mitglieder der Selbsthilfe protestierten mit ihren Rollstühlen gegen die verfehlte Planungspolitik der Bahn im Blick auf Körperbehinderte und machten auf Mängel aufmerksam.
Im Juli verbrachte eine Gruppe von 15 Personen mit den dazu gehörigen Zivildienstleistenden unvergessliche Tage auf einem Großsegler auf dem Isselmeer in Holland.
1996
Kurt Junior zieht sich zurück
Am 2. November 1996 trat nach 10 Jahren ein Wechsel im Vorsitz ein.
Kurt Junior übergab aus gesundheitlichen Gründen den Vorsitz der Selbsthilfegruppe nach 10 Jahren wieder an Heinz Preis ab.
Im Januar 1997 feierte Frau Heidrun Gommel, die erste fest angestellte Mitarbeiterin der Selbsthilfe ihr l0jähriges Dienstjubiläum.
Auch im Jahre 1997 wurden wieder eine ganze Reihe Veranstaltungen für unsere Mitglieder angeboten.
1997
Voll in Erlensee integriert
Im Rahmen der Planungen des 25jährigen Jubiläums der Selbsthilfe Körperbehinderter Hanau/Gelnhausen e.V. im Jahr 1998, trafen sich am 22. Mai 1997 auf Einladung der Selbsthilfe im Wintergarten des Integrativen Wohnparks 40 Vertreter von örtlichen Vereinen.
Nach vielen Jahren, in denen die Planung und dann der Bau des Integrativen Wohnparks viel Zeit und Kraft in Anspruch nahmen, hatte die Selbsthilfe für Sonntag, den 31. August 1997 wieder zu einem Sommerfest auf ihrem Gelände eingeladen.
Der seit Ende des Jahres 1997 tagende „Runde Tisch“ im MKK führte zur Gründung eines Kreisbehindertenrates, in dem auch die Selbsthilfe Erlensee mitwirkte.
Heinz Preis wurde in der Vollversammlung der im MKK tätigen Behindertenverbände in diesen Behindertenrat gewählt.
In Erlensee stehen die Körperbehinderten nicht allein, nach wie vor erfahren sie von der Bevölkerung, den Vereinen und der Gemeindeverwaltung sowie den Organen des Main-Kinzig-Kreises und den Kirchen eine ungebrochene Solidarität.
Das ist für die Zukunft verheißungsvoll.
1998
Das Jubiläumsjahr 1998
Mit dem Ergebnis der Zusammenkunft der örtlichen Vereine vom 22.05.1997 im Rücken, konnte davon ausgegangen werden, dass der Vorstand gemeinsam mit dem Festausschuss ein interessantes Jahresprogramm für das Festjahr 1998 zusammenstellen würde.
Vor allen Dingen war es wichtig, dass etwa 40 Vereine der Gemeinde bereit waren, sich in diesem Festjahr zu engagieren.
Aber wer sollte all die Arbeit im Büro der SHK machen und für die notwendige Koordinierung zuständig sein. Ein Antrag beim Arbeitsamt auf Genehmigung einer ABM-Stelle hatte die Einstellung von Frau Abel zufolge, die, wie sich später herausstellte, ihre Aufgaben mit großer Umsicht erledigte.
Der Gemeindevorstand Erlensee brachte den Antrag im Gemeindeparlament ein, das Jahr 1998 als das „Jahr der Integration“ für die Bürger mit Behinderungen zu deklarieren. Beim Pflanzen des „Integrationsbaumes“ auf dem Gelände der SHK am 18, April 1998 durch die Erlenseer Obst- und Gartenbauvereine wurde diese Tatsache mit viel Beifall aufgenommen.
Die einzelnen Jubiläumsveranstaltungen, die über das ganze Festjahr 1998 verteilt stattfanden, zeugten von der Vielfalt der gesellschaftlichen Möglichkeiten, mit denen sich die Selbsthilfe im kommunalen Bereich beschäftigte und versuchte, die Integration auf möglichst allen Ebenen zu verwirklichen.
Die Veranstaltungen im Jubiläumsjahr
Es folgte vom 28. - 31. 05.1998 in der Erlenhalle die Jahrestagung der Europäischen Sektion von „Mobility International“ (eine Organisation behinderter Menschen aus der ganzen Welt). Eine Veranstaltung, die im Auftrag der BAG H (Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte) in Düsseldorf, wo Heinz Preis noch als stellvertretender Vorsitzender engagiert war, durchgeführt wurde. Viele Teilnehmer aus der ganzen Welt waren gekommen und nahmen viele Anregungen für ihre Politik in ihr Heimatland aus Erlensee mit.
Das Jubiläumsfest fand dann vom 11. - 14.06.1998 statt und startete am Donnerstag, den 11.06.1998 mit einer akademischen Feier. Die Festrede hielt Friedel Rinn, Vorsitzender der BAGH. Er ging insbesondere auf die Selbsthilfebewegung in Deutschland ein und machte deren große Bedeutung als Basis in der gesamten sozialen Sicherung und Hilfe in der Bundesrepublik Deutschland deutlich. Die herzlichen Glückwünsche der Vereine und politischen Gruppierungen gaben Zeugnis von der festen Verwurzelung der SHK in der Gemeinde sowie im Landkreis ab. Die Feier wurde musikalisch von den Erlenseer Gesangvereinen umrahmt. Viele Mitglieder wurden für ihre langjährige Mitgliedschaft in der Selbsthilfe Körperbehinderter Hanau/Gelnhausen e.V. geehrt.
Viele gesellige Veranstaltungen Umrahmten das Jubiläumsfest.
Um die politische Notwendigkeit zu demonstrieren, wurde der Anspruch und die Wirklichkeit einer „Aktiven Gleichstellung behinderter Menschen in der Kommune“ auf einer ganztägigen, bundesweiten Tagung der SHK in der Erlenhalle am 8. Juli diskutiert und so wichtige Anregungen für die politische Verwirklichung gegeben. Die Tagung wurde von H. Günter Heiden aus Berlin moderiert und die Ergebnisse in einer Broschüre, die den Titel der Veranstaltung trägt, zusammengestellt.
Mit diesen Veranstaltungen war natürlich das Jubiläumsjahr noch nicht vorüber.
Am 16. September 1998 wurde eine Sportshow mit nicht behinderten sowie behinderten Sportlern in der Großsporthalle der Georg-Büchner-Schule veranstaltet.
Ebenfalls fand ein Schachturnier im Oktober 1998 statt, als Sportart gerade für schwerst körperbehinderte Menschen bestens geeignet.
Der Verein für Briefmarken- und Münzenkunde Erlensee veranstaltete zu unseren Gunsten einen Großtauschtag in der Erlenhalle am 31.10. und 01.11.1998.
Den Abschluss des Jubiläumsjahres machte dann am 11.November 1998 in der Erlenhalle eine viel beachtete Musik-Gala mit dem Heeresmusikkorps II der Bundeswehr Kassel.
Abschließend bleibt zum 25 jährigen Jubiläum zu sagen, dass die Selbsthilfe Körperbehinderter einen enormen Imagegewinn durch all die genannten Veranstaltungen verzeichnen konnte, und dass die sichtlich gestiegene Integration behinderter Menschen in Erlensee für Städte und Gemeinden in Hessen als Vorbild gelten kann.
Den Abschluss des Jubiläumsjahres bildete dann die Jahreshauptversammlung am 25.10.1998. Die anstehenden Wahlen zum Vorstand waren ohne Überraschung, außer dass Heinz Preis verkündete, dass dies seine letzte Wahlperiode als Vorsitzender sei und er im Jahre 2000 nicht mehr für den Vorsitz kandidieren werde. Er fand, dass es an der Zeit wäre, den Vorstand zu verjüngen.
1999
Eine notwendige Strukturveränderung
Der Verein wuchs auch im Jahre 1999. Gemeinsam mit dem Wirtschaftsprüfer Herrn Kaltenbrunner wurde intensiv an der Vorbereitung der vorgesehenen Änderung in der Struktur des Vereins gearbeitet. Herr Kaltenbrunner teilte die Meinung des Vorstandes, dass die Gründung einer gemeinnützigen GmbH notwendig und empfehlenswert sei, um in erster Linie die Haftung des Vereins für die Geschäftszweige Fahrdienst und Pflegedienst zu begrenzen.
Der entsprechende Beschluss der Mitgliederversammlung wurde in der Jahreshauptversammlung 1999 am 6. Juni einstimmig gefasst.
Mit der Verwaltung der Wohnungen wurde 1999 die Hausverwaltung Michel in Freigericht beauftragt. Im Hinblick auf den weiteren Ausbau des Wohnparks im Zuge des II. Bauabschnitts um mindestens weitere 40 Wohneinheiten eine vorausschauende Entscheidung.
Im Jahr 2000 wurde mit der Gemeinde mit dem Ziel verhandelt, den Mietvertrag mit der Sozialstation Krebsbach Kinzig wegen Eigenbedarf vorzeitig aufzuheben. Die Büros der Selbsthilfe boten nicht mehr genug Platz, auch im Hinblick auf die Gründung der gemeinnützigen GmbH. Der erste Umbau im Parterre des Hauses war perfekt. Es war aber dem Vorstand klar, dass weitere Umbauten nachfolgen würden.
Nach einer Sitzung des geschäftsführenden Vorstandes am 28.09.2000 in Anwesenheit des Notars Böhmer wurde der Vertrag über die Gründung einer gemeinnützigen GmbH unterzeichnet. Als offizieller Beginn der gemeinnützigen GmbH wurde der 01.01.2001 festgelegt.
Interimsgeschäftsführer wurde Heinz Preis. Als kommender Geschäftsführer wurde Herr Michael Becker eingestellt, der nach einer Einarbeitungszeit von einigen Monaten auch ab 01.09.2001 die Geschäftsführung der gemeinnützigen GmbH übernahm.
Zunächst wurden der Fahrdienst und der Pflegedienst der gemeinnützigen GmbH zugeordnet. Der Vorstand gab Michael Becker nunmehr die Zeit, die gemeinnützige GmbH nach seinen Vorstellungen zu gestalten und zu entwickeln.
Ihm zur Seite stellte die Gesellschafterversammlung einen Beirat unter der Führung von Heinz Preis, ein vehementer Verfechter der Gründung dieser gemeinnützigen GmbH. Als stellvertretender Vorsitzender stand ihm der Jurist des Vereins Matthias März zur Seite und als Beisitzer Wilfried Breunig, also ein Trio mit viel Erfahrung aus der Vereinsarbeit. Die Zusammenarbeit mit Herrn Becker und dem Beirat war hervorragend und auf das Wohlergehen des ganzen Vereins abgestellt. Der Beirat konnte im Jahr 2007 seine Arbeit einstellen.
2000
Wechsel in der Vereinsführung
Die Jahreshauptversammlung der SHK am 15.10.2000 brachte dann den sich schon 1998 abzeichnenden Wechsel in der Führung der SHK.
Gerhard Schneider wurde Vorsitzender, Matthias März und Uwe Schneider stellvertretende Vorsitzende. Heinz Preis sprang in die Bresche als Kassierer, weil Wilfried Breunig nicht mehr als 1. Kassierer kandidieren wollte. Er wurde aber stellvertretender Kassierer, was mit viel Beifall bedacht wurde. Erika Schmidt übernahm das Amt der Schriftführerin und als ihr Stellvertreter wurde Ernst Biesdorf gewählt.
Mit viel Ehrgeiz und Einsatzwillen ging der neue Vorstand an seine Arbeit. Vieles konnte aber auch übernommen werden. Die Bemühungen um Teilhabe in der Gesellschaft wurden noch verstärkt. Der Vergnügungsausschuss mit Willi Höhn und seiner Frau Rosel organisierte die anstehenden Veranstaltungen wie Treff, Ausflüge, Sommerfest und Weihnachtsfeier.
2001
Schweres Jahr für die gemeinnützige GmbH
Mit Spannung wurde die erste Bilanz der gemeinnützigen GmbH erwartet. Bereits im Laufe des Jahres 2001 zeichnete sich ab, dass es ein schwieriges Jahr werden würde.
Die Bilanzen des Vereins und der SHK Service gGmbH wurden von der Dienstleistungs GmbH des Deutschen Partitätischen Wohlfahrtsverbandes erstellt, die auch heute noch die Jahresrechnungen der gesamten SHK prüft.
Schweren Herzens musste sich der Vorstand entscheiden, die Sparte Pflegedienst zu schließen und den Fahrdienst auf den innerbetrieblichen Bedarf zu beschränken. Der Pflegedienst entsprach eigentlich auch nicht der Philosophie des Vereins. Die Pflege sollte nach dem Bedarf der pflegebedürftigen Menschen ausgerichtet sein und nicht nach dem inzwischen gültigen Punktsystem der Krankenkassen. Dieses Pflegesystem wurde schon immer von den Verantwortlichen im Verein abgelehnt.
Der Fahrdienst unterlag auch dem hartnäckigen Druck der Kostenträger nach immer günstigeren Preisen für die Fahrten und war natürlich auch sehr abhängig von der Zahl der Zivildienstleistenden, die zur Verfügung standen.
Alles in allem waren beide Bereiche nicht wirtschaftlich genug, sodass dem Vorstand nichts anderes übrig blieb, als deren Betrieb einzustellen bzw. zurückzufahren.
Hinzu kam, dass die damalige Pflegedienstleiterin anscheinend sowieso die Absicht hatte, sich selbstständig zu machen. Das nahm den Verantwortlichen zumindest die Sorge um das vorhandene Personal, das übernommen wurde.
Zum 31. August 2002 (Pflege) und 30. 6. 2003 (Fahrdienst) wurden die Beschlüsse umgesetzt und der Verein als alleiniger Gesellschafter unterstützte die GmbH auch finanziell durch ein Darlehn. Danach ging es mit der gemeinnützigen GmbH wieder aufwärts.
Die Zusammensetzung des Vorstandes änderte sich im Jahre 2002 nicht wesentlich.
Allerdings verlor die SHK ihren Ehrenvorsitzenden Kurt Junior, der am 28. September 2002 starb. Er hatte großen Anteil am Wohnungsbau des I. Bauabschnittes des integrierten Wohnparks. Er war der Motor vieler Dinge, die während der Abwesenheit von Heinz Preis in Angriff genommen wurden. Zu der Zeit nahm Heinz Preis das Amt des Bundesvorsitzenden in Krautheim wahr.
Auf der Jahreshauptversammlung am 21.09.2002 gab es eine Änderung in der Zusammensetzung des Vorstandes insofern, dass der Kassierer Wilfried Breunig endgültig nicht mehr kandidierte und von Tanja Dinter abgelöst wurde.
Durch den Umbau der Räume der ehemaligen Pflegeabteilung zu 2 Wohnungen erhöhte sich der Wohnungsbestand im Integrativen Wohnpark auf 23 Wohnungen.
2003
30 jähriges Bestehen
Dieses Jubiläum wurde durch ein „erweitertes“ Sommerfest am 24.08.2003 gefeiert. Der Vergnügungsausschuss stellte ein beachtliches Programm zusammen: u.a. Kinderfest unter Mitwirkung der Kindergärten, Spielmanns- und Fanfarenzug aus Ronneburg.
Eine erfreulich positive Entwicklung nahmen Verein und gemeinnützige GmbH in den Jahren 2004 und 2005.
Neu aufgenommen in die Dienstleistungen der GmbH wurde das vom Landeswohlfahrtsverband Hessen aufgelegte Programm „Betreutes Wohnen für Körperbehinderte“, eine weitere Wohnform, die es den Menschen mit körperlicher Behinderung erleichtert, selbstständig und selbstbestimmt ihr Leben zu gestalten. Zunächst wurden 12 Plätze vorgesehen, die jedoch schon bald belegt waren. Dies schaffte auch weitere Arbeitsplätze für Sozialarbeiter.
Im Bereich des Integrationsdienstes der gemeinnützigen GmbH wurden im April 2005 schon 35 Kinder in verschiedenen Schulen betreut.
In der Jahreshauptversammlung des Vereins wurden 2005 auch einige kleinere Änderungen in der Satzung vorgenommen. Auch sämtliche anderen Vereinsregularien wie verschiedene Geschäftsordnungen von Verein und GmbH, die Beiratsordnung sowie den Gesellschaftervertrag wurden auf einer Klausurtagung am 08.10.2005 überarbeitet.
2006
Personelle Veränderungen
Personelle Veränderungen für die Zukunft ergaben sich in der Buchhaltung. Frau Abel, die früher schon als ABM Kraft beschäftigt wurde, wird ab 01.01.2006 als Nachfolgerin der in bald ausscheidenden Frau Richter fest eingestellt.
In der Jahreshauptversammlung am 12.11.2006 standen Neuwahlen an. Ausgeschieden auf eigenem Wunsch sind: Tanja Dinter, Ernst Biesdorf und Brigitte Liebler. Die Wahlen ergaben:
Vorsitzenden : Uwe Schneider
Stell. Vorsitzender: Matthias März
Wahlleitung: Uwe Schneider
Kassierer: Wilfried Breunig
Schriftführer: Erika Schmidt
Lothar Kempf
Beisitzer: Heinz Werkmann
Peter Niemczik
Gisela Breunig-Wohland
Die Konsolidierung der Finanzen hat im Jahre 2006 gute Fortschritte gemacht.
2007
Der 2. Bauabschnitt macht Fortschritte
Hauptthema des Jahres 2007 in allen Gremien des Vereins und der GmbH war das Projekt „2. Bauabschnitt“. Als Wichtigstes ist folgendes fest zu halten:
Die Gesamtplanung verbleibt bei dem Planungsbüro Hartmann Planung in Hanau. Für die Durchführung der Bauarbeiten wird voraussichtlich ein Generalbauunternehmen verpflichtet. Weiterhin soll ein Bauausschuss etabliert werden, zu dem auch als Fachberaterin Frau Ursula Fuß, Frankfurt/Bergen-Enkheim (selbst Rollstuhlfahrerin) hinzugezogen wird.
Die Unterstützung der Gemeinde Erlensee mit einem Kredit als Voraussetzung zur Freigabe der Landesfördermittel für den 2. Bauabschnitt war mit einer Gemeinderatzsitzung im Dezember 2007 gesichert.
2008
VR Bank Main-Kinzig eG übergibt größte Einzelspende ihrer Geschichte
Mit einer Einzelspende von 40.000,00 Euro der VR Bank Main-Kinzig eG war es uns möglich, einen neuen Bus anzuschaffen. Feierlich wurde der Bus Anfang Mai 2008 vom Vorstandsvorsitzenden der VR Bank Main Kinzig eG Herr Hof an die SHK übergeben.
Am 12. Mai 2008 war die "Jungfernfahrt" zum ZDF-Fernsehgarten nach Mainz. Alle Mitreisenden lobten den herausragenden Komfort des neuen Busses.
35 Jahre Selbsthilfe Körperbehinderter Hanau/Gelnhausen e.V.
Das 35 jährige Jubiläum des Vereins im Jahre 2008 soll allerdings nicht großartig gefeiert werden. Am 9. Mai 2008 organisierten wir anlässlich unseres 35jährigen Bestehens eine politische Veranstaltung mit bundesweitem Interesse.
Das Thema war: „Selbstbestimmt Leben in der Gemeinde“ „Wie kann Artikel 19 der UN Konvention auf kommunaler Ebene umgesetzt werden“. Im Rahmen unserer Konferenz wurde der stellvertretende Vorsitzende der SHK Matthias März mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen geehrt. Der Kreisbeigeordnete des Main-Kinzig-Kreises André Karvai betonte in seiner Laudatio für den Geehrten, dass Matthias März seit 1984 als Vorstandsmitglied und seit 12 Jahren als stellvertretender Vorsitzender ein bedeutendes Scharnier im Verein ist.
Wir werden den Prozess der Umsetzung des Artikel 19 der UN-Konvention weiterhin kritisch begleiten und uns einmischen.
Freigabe der Landesfördermittel für den 2. Bauabschnitt
Ebenfalls im Mai bekamen wir die Freigabe der Landesfördermittel des Landes Hessen für unseren 2. Bauabschnitt. Unmittelbar danach wurde der Bauantrag übergeben.
An dieser Stelle endet vorerst unsere Chronik. Es ist gerade im letzten Jahr mit der Wiederaufnahme der Planungen zum 2. Bauabschnitt und den konkreten Erfolgen und Fortschritten ein bundesweites Signal gesetzt worden, dass barrierefreies, selbstbestimmtes Leben für behinderte Menschen ein erreichbares Ziel ist.
Gerade mit unserer Konferenz am 9. Mai in Erlensee „Selbstbestimmt Leben in der Gemeinde“ ist noch einmal der Zusammenhang verdeutlicht worden: Ein barrierefreies Lebensumfeld ist die zwingende Voraussetzung für ein selbstverständliches Zusammenleben aller Bürger. Im Artikel 19 der UN-Konvention heißt es „Inklusion“, also ein Zusammenleben aller Menschen, inklusive behinderter Menschen.
Heinz Preis (Ehrenvorsitzender) / Lothar Kempf (Schriftführer) im Mai 2008